Kritik ist Kritik und kein Feedback

Kritik

Bild via heinzsauren.wordpress.com

 

Mit dem inneren Kritiker hatten wir uns hier im Artikel schon befasst. Auch das Phänomen, wieso sich Menschen oft wie Krebse verhalten habe ich schon ausgeführt.

Doch aller Anfang wohnt uns selber inne und wenn wir anders behandelt werden möchten, dann sollten wir anfangen unsere Mitmenschen anders zu behandeln.

Habt ihr selbst schon einmal Kritik geäußert? Ich wette ja! Doch was bewirkt Kritik eigentlich?

 

Kritik erzeugt oft Rechtfertigung!

Person A: Wenn du beim Sprechen deine Arme verschränkst, dann könnte das als Ablehnung empfunden werden!

Person B: Ich tue das, weil es meine Nackenmuskulatur entspannt.

Wir alle streben nach Gleichgewicht in unseren Beziehungen. Sei es nun in einer Gesprächs-, Arbeits-, Freundes- oder Lebensbeziehung. Sobald wir das Gefühl haben, dass durch eine Handlung dieses Gleichgewicht nicht mehr besteht, versuchen wir alle, dieses wieder gerade zu rücken. Bei Kritiken hat man oft das Gefühl, dass man durch die öffentliche Äußerung nicht mehr auf einer Stufe mit den anderen steht und so versucht man sich, durch eine Rechtfertigung, wieder auf die selbe Ebene zu heben.

Die Kritik wird mit einem Argument abgewehrt und kommt somit nicht an (auch wenn diese gut gemeint war)!

 

Kritik erzeugt ein negatives Gefühl!

Wie schon zuvor bemerkt, hat man nach einer laut geäußerten Kritik immer das Gefühl, man hätte einen auf den “Deckel” bekommen und steht nun im Vergleich zu dem/den anderen schlechter da.

Sobald dieses negative Gefühl erzeugt wurde, bin ich als “Angegriffene(r)” auf keine weiteren Gespräche zu dem Thema bereit. Da mein eventueller Aufwand bzw. meine Rolle nicht geschätzt wurde.

Die Motivation eines jeden menschlichen Handels ist Anerkennung. Wir alle wünschen uns nicht nur Anerkennung wir streben sogar danach!

 

Kritik erzeugt Gegenkritik!

Der Gegenüber macht oftmals einfach dicht und geht in Abwehrstellung. Vor allem wenn die Rechtfertigung, als erster Versuch, keinen Effekt hatte und der Kritikgeber hartnäckig weiter macht, passiert folgendes beim Angegriffenen:

Schotten dicht und auf zu den Waffen!

Der Kritiknehmer geht dann wirklich in sich und prüft wie er den Kritikgeber nun angreifen kann. Let the battle begin!

 

Kritik ist nie objektiv!

Wir sind keine Objekte, sondern Subjekte! Kritik ist daher immer subjektiv!

Von daher ist es schwer Kritik als konstruktiv zu äußern und im Gegenzug aufzufassen. Außer eine ganze Gruppe gibt dieselbe Kritik. Allerdings erzeugt auch das nicht wirklich eine positive Aufbruchstimmung, es erzeugt vielmehr das Gefühl einer Massen-Ohrfeige.

Kritik ist immer an den Kritikgeber gebunden da er immer nur seine Sicht schildern kann!

 

Feedback ist nicht gleichbedeutend mit Kritik!

Moderator: So und nun zur Feedbackrunde

Person A: Inhalt XYZ war völlig falsch dargestellt

Person B: Du sprichst zu schnell

Person C: Außerdem sprichst du zur Wand

Person D: Ich konnte deinen Ausführungen nicht wirklich folgen

Person E: Du sprichst zu schnell und gegen die Wand, das hatte zur Folge, dass ich deinen Ausführungen nicht folgen konnte. Ganz nebenbei war auch der Inhalt deiner Präsentation Murks!

 

So, oder so ähnlich laufen Feedbackrunden. Wenn man Glück hat, dann ist noch ein Kollege mit dabei, der zumindest einen positiven Aspekt herausgreift, aber die meisten anderen werden versuchen dem Feedbacknehmer seine Schwachstellen aufzuzeigen.

Nochmal, Feedback ist nicht gleich Kritik!

Wenn man möchte dass Menschen etwas anders machen, dann sollte man nicht auf den Schwächen rumreiten, sondern eher die Stärken aufzeigen bzw. positive “Kritik” äußern!

Feedback – Regeln für eine bessere Rückmeldung

Ein gutes Feedback ist:

  1. beschreibend und nie bewertend

    • konkrete Beschreibung des speziellen Verhaltens und der Reaktion darauf
    • nie die Person kritisch in frage stellen!
    • Handlungen nie kritisch interpretieren oder auf andere schließen!
  2. konkret und nicht allgemein
    • immer auf das spezielle Verhalten bezogen und nie auf die gesamte Person!
  3. angemessen
    • das Bedürfnis aller Beteiligten mit bedenken
  4. brauchbar / verwertbar
    • änderbare Verhaltensweisen ansprechen
  5. Rückmeldung zu änderbaren Dingen
    • keine unabänderlichen Dinge ansprechen!
    • falls Unabänderliches angesprochen werden soll, einfach Klappe halten :-)
  6. nicht fordernd
    • keine Änderungen einfordern oder auf “Verbesserung” bestehen
    • nur Aufzeigen von möglichen “Verbesserungen”
  7. erbeten und nicht aufgezwungen
    • Feedback soll als Angebot akzeptiert worden sein, ist das nicht der Fall, bringt es nichts!
  8. rechtzeitig
    • wenn es etwas zu sagen gibt, dann sollte das zeitnah geschehen und nicht erst Wochen später.
  9. klar und genau formuliert
    • Feedback soll nachvollziehbar und vor allem nachprüfbar sein.
  10. sachlich richtig
    • wichtig um zu prüfen wie andere Beteiligte die Situation erlebt haben
  11. nicht erschlagend
    • dem Empfänger auch mal die Zeit lassen, das Gehörte zu verarbeiten
    • keine Aufzählungstiraden
    • keine Wiederholung von vorhergehendem Feedback
    • wenn dir nichts einfällt, dann einfach mal positiv äußern oder bestätigen, dass es keine kritischen Punkte gibt
  12. neu, die Information betreffend
    • ist die Information wirklich neu für den Empfänger?
    • das Selbstverständliche muss nicht immer zerredet werden
    • auch hier, keine Wiederholung von Feedback
  13. gründet auf Empfangsbereitschaft
    • will der Empfänger Feedback erhalten?
    • ist der Empfänger bereit das Feedback zu verarbeiten?
  14. klar definiert bezüglich Ziel und Zweck
    • was willst du mit deinem Feedback erreichen?
    • willst du dem Empfänger helfen?
    • was empfindest du?
    • wie könnte der Empfänger reagieren?
    • wie könnte die Gruppe reagieren?

Fazit

Fangen wir doch einfach bei uns selbst an und versuchen wir mit Menschen so umzugehen wie sie möchte behandelt zu werden. Es ist nicht einfach, ich versuche es gerade selbst, doch es lohnt sich! Die Zusammenarbeit und das Zusammensein bekommen eine ganz andere Qualität und eventuell versteht man den Gegenüber ein wenig besser.

Haltet euch bei “Kritik” ab jetzt an die Feedback-Regeln und versucht bei Menschen die positiven Aspekte herauszuheben!

Comments
  1. 10 Monate ago
    • 10 Monate ago

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